Systemarchitektur und Schnittstellen

Zurück zur Startseite

Inhaltsübersicht

Welche Fragen werden auf dieser Seite geklärt?

  • Woraus besteht ein Telematiksystem?
  • Welche Funktion haben die einzelnen System-Elemente?
  • Wodurch unterscheiden sich marktübliche System-Architekturen?

Komponenten eines Telematik-Systems

Telematiksysteme sind prinzipiell aus drei Komponenten aufgebaut:

  • Rechner in den mobilen Einheiten
    (genannt “Endgerät”, “Bordrechner”, “OBU” für “Onboard Unit”, usw.)
  • Mobile Datenkommunikation
  • Rechneranlage zur Auswertung, Darstellung und Archivierung beim Flottenbetreiber
    (meist “Zentrale” genannt)

Nutzung von GPS-Signalen

Die in den Fahrzeugen verbauten Bordrechner nutzen, wie unter Ortung beschrieben, die Signale der GPS-Satelliten, um daraus die Position des Fahrzeugs zu ermitteln.

Es wird gerne behauptet, die Telematikbordrechner würden zur Positionsbestimmung mit den GPS-Satelliten “kommunizieren”, was einen bidirektionalen Datenaustausch impliziert. Das ist jedoch nicht der Fall! Die Bordrechner empfangen lediglich die von den GPS-Satelliten ausgestrahlten Daten und berechnen daraus ihre eigene Position. (Vergleichbar ist etwa ein Autoradio, welches auch nur die Signale des Radiosenders empfängt, demoduliert, verstärkt und dann über den Lautsprecher ausgibt. Von Kommunikation zwischen Autoradio und Radiosender kann auch hier keine Rede sein.)

Mobilfunk zur Kommunikation Fahrer/Zentrale

Erst bei der Verbindung zwischen Bordrechner und Zentrale kann man von “Kommunikation” reden, da hierbei ein bidirektionaler Datenaustausch stattfindet. Für diese Kommunikation wird im Großteil der Fälle das weltweite Mobilnetz nach dem GSM-Standard verwendet. In den Anfängen der Telematik –vor der Jahrtausendwende- wurde im Wesentlichen der SMS-Dienst der GSM-Netze benutzt.
Da hierbei eine Nachricht auf ca. 160 Zeichen beschränkt war, konnten nur einfache Funktionen und geringe Datenraten in der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Zentrale realisiert werden. Bei längeren Nachrichten –etwa einem Transportauftrag mit Be- und Entladeadresse- mussten einzelne SMS-Nachrichten verkettet werden, um die gesamte Information zu übertragen. Insgesamt also ein eher unbefriedigendes Verfahren.
In der weiteren Entwicklung der Telematiksysteme erfolgte daher Anfang der 2000er Jahre der Umstieg auf GPRS, einem paketorientierten Dienst im GSM-Netz, bei dem virtuell dauernd ein Kanal zwischen Sender und Empfänger geschaltet ist (“always on”) und die Informationen in Datenpaketen übertragen werden. Die GPRS-Kommunikation –inklusive der Weiterentwicklungen EDGE und LTE- ist heute das Standardkommunikationsmedium in der Telematik.
Für Spezialanwendungen werden aber auch andere Kommunikationsmedien verwendet, wie etwa W-LAN für Anwendungen innerhalb von Betriebshöfen, o.ä., oder Satellitensysteme wie ORBCOMM und IRIDIUM für die Kommunikation in entlegene Gebiete, die nicht mit GSM versorgt sind, z.B. Polarregionen.

Unterschiede in der Architektur moderner Telematiksysteme

Auf der Zentralenseite unterscheiden sich Telematiksysteme in Server-Client-basierte und internetbasierte Architekturen. Das nachfolgende Bild zeigt ein Server-Client-Telematiksystem.

Telematik Client-Server-Architektur

Telematik Client-Server-Architektur

Bei dieser Architekturform wird die zur Datenauswertung und –archivierung benötigte Rechnerinfrastruktur beim Flottenbetreiber aufgebaut und betrieben. Der Vorteil dieser Variante besteht darin, dass die ggfs. sensiblen Daten der Geschäftsprozesse im Unternehmen selbst gehalten werden. Nachteilig ist jedoch, dass der Flottenbetreiber damit auch eine aufwändige EDV-Infrastruktur betreiben und pflegen muss. Insbesondere für kleine Flotten ist diese Variante daher ungeeignet.

Der Trend geht daher eindeutig zu internetbasierten Telematiksystemen, bei denen der Telematikserver durch einen “Diensteanbieter” betrieben wird und der Flottenbetreiber über seinen Web-Browser und ein persönliches Login seine Fahrzeugdaten, Auswertungen, usw. einsehen kann. Diese Architektur ist im folgenden Bild dargestellt.

Internetbasiertes Telematiksystem

Internetbasiertes Telematiksystem