Prozessoptimierung in der Entsorgungslogistik

Am Beispiel des Umweltdienstleisters PreZero zeigt sich, wie man einheitliche, automatisierte und transparente Unternehmensprozesse schaffen und damit Optimierungspotenziale effizient nutzen kann. Von der elektronischen Arbeitszeiterfassung über die digitale Containerverwaltung bis zur Tourenoptimierung, der Entsorger setzt auf Konnektivität und entsprechende IT.

Als fünftgrößter Entsorger Deutschlands, der mit einer über 1.100 Fahrzeuge starken Flotte in ganz Europa unterwegs ist, ergibt sich für PreZero (ehemals Tönsmeier) und seine rund 3.000 Mitarbeiter heute gerade im Bereich der Prozessautomatisierung ein enormes Optimierungspotenzial. In Zeiten vor der Digitalisierung händigte die Disposition ihren Fahrern Tourenplan, Tagesberichte und Lieferscheine noch in gedruckter Form aus. Am Ende der Tour landeten die handschriftlich bearbeiteten Unterlagen wieder bei der Disposition zur finalen manuellen Erfassung. Das ist heute größtenteils Vergangenheit!

Beim Umweltdienstleister PreZero erkannte man schon früh, dass sich die Digitalisierung im Unternehmensalltag auszahlt: Neben der Navigation und Ortung der Fahrzeuge ging der Entsorger aus Ostwestfalen auch mit einer Eigenentwicklung für einzelne Fahrzeugtypen bereits erste digitale Schritte, über die Auftragsdaten bearbeitet sowie Statusmeldungen gesetzt werden konnten. Doch als mit der Zeit die passende Hardware Mangelware und vor allem der technische Support schwieriger wurde, suchte man ein neues, einheitliches und hardwareunabhängiges System. Über dieses sollten unter anderem Aufträge übermittelt, Container verwaltet und Routen geplant sowie über Schnittstellen das zentral genutzte SAP-System und die Waagen angebunden werden. Die Wahl fiel auf den Anbieter Couplink mit seiner Branchenlösung couplinkyourfleet Entsorger. Mit dem Telematik-System wurden seit 2015 500 PreZero-Fahrzeuge in Deutschland ausgestattet, weitere sind in Planung.

Über eine zusätzliche Hardwarebox von Squarell können sämtliche Fahrzeugdaten wie beispielsweise Drehzahlen, Kilometer- oder Tankfüllstand sowie Massenspeicher- und Fahrerkartendaten ausgelesen werden. Die Fahrerbewertung berücksichtigt zudem, ob ein Nebenantrieb aktiv war, der für einen erhöhten Verbrauch verantwortlich ist. Die bisher personell aufwendigen manuellen Arbeitsschritte entfallen und es wird automatisch sichergestellt, dass die gesetzlich geforderten Nachweise in bestimmten Archivierungsordnern abgelegt werden.

Die einzelnen Fahrer nutzen die Telematik-Software von Couplink auch über spezielle Tablets von Samsung. Hier können sie auf sämtliche Arbeitsinformationen gebündelt zugreifen. Nach Eingabe der persönlichen Daten werden dem Fahrer die zur Verfügung stehenden Touren für den aktuellen Tag angezeigt. Auch die anschließende Fahrzeugprüfung erfolgt komplett digitalisiert. Im nächsten Schritt sind alle Angaben in Echtzeit für den Disponenten über ein webbasiertes Cockpit verfügbar. Hier werden die über die Schnittstelle in der Zentrale erfassten Aufträge mit Be- und Entladestellen angezeigt und entsprechend auf die Fahrzeuge disponiert. Die Übertragung auf das Endgerät im entsprechenden Fahrzeug erfolgt automatisch über die eingerichteten Schnittstellen.

Zieleliste PreZero (Quelle: Couplink)

Über eine hinterlegte Lösung zur Tourenplanung und -optimierung kann der Fahrer jederzeit den besten Weg zum nächsten Auftragsort finden und dank der angezeigten TMC-Daten Verzögerungen durch Staus oder Unfälle umfahren. Eine weitere Besonderheit: Fahrer können während der Auftragsbearbeitung Fraktionen ändern (aus „Grünschnitt“ wird „Bauschutt“), Fehlbefüllungen mit Fotos live dokumentieren und Kunden digital unterschreiben lassen. Darüber hinaus ist couplinkyourfleet Entsorger an die in den Fahrzeugen genutzten Wiegesysteme von MOBA angebunden. Somit werden auch bei der Verwiegung sämtliche Daten in Echtzeit über eine implementierte Rückschnittstelle an das führende System übertragen.

Zieldetails (Quelle: Couplink)

Die Arbeitszeiterfassung und Erstellung von Lieferscheinen mit sämtlichen Daten erfolgen inzwischen ebenfalls elektronisch.

Bei der kommunalen Entsorgung zeichnet couplinkyourfleet Entsorger die Touren beim ersten Befahren auf. An markanten Stellen können zudem frei definierte audiogestützte und visuelle Hinweise für die assistenzgesteuerte Abfuhr hinterlegt werden. Anhand dieser gespeicherten Spur können sich die Fahrer auch in für sie unbekannten Gebieten problemlos bewegen. Durch seine Erfahrungen mit kommunalen Entsorgern hat Couplink zudem weitere wichtige Funktionen in seine Standardlösung integriert: Verlässt der Fahrer etwa die Tour für eine Entleerungsfahrt, kann er sich an die Stelle der Unterbrechung zurückleiten lassen. Über das webbasierte Cockpit kann wiederum der Disponent Touren in Echtzeit nachbearbeiten und vergessene Straßenzüge automatisiert hinzufügen. Bei einem möglichen Fahrzeugausfall kann er bereits begonnene Touren an eines oder mehrere der Fahrzeuge übertragen, sodass Abfuhrzeit und -qualität stets eingehalten bzw. kontrolliert werden.

In einigen Bereichen kooperiert PreZero mit Subunternehmen. Auch deren Fahrer können an das Telematik-System angebunden werden. Über ihre eigene Hardware greifen sie auf ein spezielles Subunternehmerportal zu. In diesem stehen ihnen die zu erledigenden Aufträge inklusive der zugehörigen Daten zur Verfügung und sie können ihre Fahrzeuge selbstständig disponieren. Für die Abrechnung wird die Information, dass der Auftrag erledigt ist, über couplinkyourfleet Entsorger ans SAP-System weitergeleitet.

Mit dem neuen Telematik-System wird außerdem jeder Container digital erfasst und jede seiner Bewegungen als Standort- und Kundenhistorie automatisch dokumentiert. Dazu prüfen Mitarbeiter die Container-ID per Foto und integrieren so auch noch unbekannte Behälter direkt in der Containerverwaltung. Der Disponent erhält in der Zentrale über sein Webportal in Echtzeit alle relevanten Informationen und kann so nachvollziehen, wo sich Behälter aktuell befinden oder wann beispielsweise die nächste UVV-Prüfung fällig ist. In die Couplink-Lösungen kann zudem smarte Sensorik für Tonnen, Container und Fahrzeuge integriert werden. So können Sensoren etwa eine Fehlermeldung inklusive akustischem Warnsignal abgeben, sobald ein falscher Container auf- bzw. abgeladen wird. Der Fahrer kann den Vorgang dadurch rechtzeitig abbrechen.

Aus diesem Anwendungsfall lässt sich erkennen, welche Potenziale die Digitalisierung, die Konnektivität von Fahrzeugen und die damit verbundene Prozessautomatisierung bieten. Die Entsorgungsbranche war eben schon immer äußerst innovativ.

Quelle Beitragsbild: Fotografie Wattendorff / Couplink