Telematik goes Öko…

Der Herdentrieb hat Ende September 2016 mal wieder alle an der Transportlogistik Interessierten zur IAA Nutzfahrzeuge nach Hannover geführt, wo natürlich auch alle Telematiker ihre Produkte und Dienstleistungen dem „fahrenden Volk“ präsentiert haben. Alle Telematiker? Nein, da ist in den letzten Jahren dann doch ein scheinbarer Schwund zu verzeichnen. Was sich da in Halle 11 neben den Reisebussen und ihrem Zubehör in einer Ecke an Telematikanbietern versammelt hatte, sah schon sehr nach den letzten Mohikanern aus. Nur ungefähr zehn reinrassige Telematikanbieter aus dem Nachrüstgeschäft waren dort noch vertreten, daneben einige Speditionssoftwareanbieter, die sich mit der ein oder anderen App auf einem Smartphone nun auch als Telematiker fühlen dürfen.

Eingang IAA 2016, (c) VDA

Eingang IAA 2016, (c) VDA

Doch dieses Bild trügt natürlich, denn einige der etablierten Telematikanbieter sind inzwischen Teil größerer Unternehmen, die als sogenannte Tier 1 Zulieferer im Automotive Geschäft mitmischen. Typische Beispiele dieser Kategorie an Telematikanbietern sind Transics/Wabco, idem/BPW und Openmatics/ZF, die sich jeweils auf den Messeständen im Unternehmensverbund präsentierten. Neu zu dieser Kategorie gestoßen ist der Fahrzeugausrüster Knorr Bremse, der sich mit ProFleet Connect nun anschickt, im Telematikgeschäft mitzumischen. Technologische Basis dieses Angebots ist ein Android-basierter Tablet-Rechner mit 7“-Display als Anzeige- und Bediengerät für den Fahrer sowie das Web Portal des englischen Anbieters Microlise. “telematikwissen“ wird dieses neue Angebot in einem der nächsten Beiträge näher beleuchten.

Impressionen IAA2016, (c) VDA

Impressionen IAA2016, (c) VDA

Und dann waren da natürlich auch noch die OEM-Telematiker, die sich wie immer im Kontext der ausgestellten Trucks ihrer Mutterhäuser präsentierten. Besonders auffällig war dabei der Auftritt von MAN, die ihre Telematikdienste künftig unter dem Label –fast könnte man sagen unter der Vision- RIO als offene Plattform anbieten wollen. Ungefähr 15 Realisierungspartner sind dort bereits an Bord. Auch hierzu mehr in einem eigenen „telematikwissen“-Beitrag in nächster Zeit.
Alles in allem waren also doch zwei Dutzend Telematikanbieter auf der IAA vertreten und zur Ehre der No-Shows sei darauf hingewiesen, dass viele Nachrüsttelematiker ihre Schwerpunkte in den Logistikprozessen sehen und sich daher auf der transport+logistik in München besser aufgehoben fühlen als auf der doch recht fahrzeuglastigen IAA.

IAA 2016, Podiumsdiskussion Ökosystem, (c) HLD

IAA 2016, Podiumsdiskussion Ökosystem, (c) HLD

Ach übrigens, große Neuerungen hinsichtlich der Funktionalität der Telematiksysteme waren nicht zu verzeichnen. Dafür hat aber der mächtige Verband der Automobilindustrie (VDA) nun die Telematik als Mainstreamthema für sich entdeckt und sieht sogar Auswirkungen auf das automotive Ökosystem. Auf der Fachveranstaltung „Veränderung des Ökosystems durch Telematics – Auswirkungen auf den Automotive Aftermarket“ haben hochrangige Industrievertreter in Hannover ihre Sicht der Dinge dargelegt. Im Vortrag von Dr. Christian Wiehen, CTO bei WABCO, wurde deutlich, dass man dort telematische Flottenmanagementsysteme als Katalysator für das Internet der Dinge und die Evolution der Automotive Industrie sieht. Auch Günter Weber, VP Marketing im Aftermarket bei Bosch, argumentierte in diese Richtung. Telematik als Teil der Connectivity eines Fahrzeugs ermöglicht künftig diverse Dienste wie etwa präventive Diagnose und eine vernetzte Werkstatt. Luc Billiet von IVECO stellte die Ergebnisse einer Studie mit Stralis XP Fahrzeugen vor, bei der Dienstleistungen auf Basis von Telematikdaten zu einer Kraftstoffeinsparung von 10 % geführt haben. Zu guter Letzt beleuchtete Frank Tinschert, VP Telematics bei MAN, die Mehrwerte, die sich für den Flottenbetreiber ergeben, wenn die Telematik ihr Silodenken verlässt und jeder mit jedem Daten austauscht – der Grundgedanke von RIO. Wir sind gespannt. (28.09.2016, HLD)

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