Test: Tanktaler.de – ein Telematiksystem für Kleinstflotten?

Test: Tanktaler.de – ein Telematiksystem für Kleinstflotten?

Das Münchner Start-Up Thinxnet drängt mit seinem Projekt „Tanktaler.de“ auf den Markt – einer einfachen Umsetzung für eine „Connected Car“-Lösung und das ohne Umbauten. Das bietet auf den ersten Blick eine einfache Alternative zu Telematiksystemen, insbesondere für Betreiber kleiner (PKW-)Fahrzeugflotten.

Leitfrage

Telematikwissen.de hat sich die Frage gestellt, ob Tanktaler jetzt schon mit Telematiksystemen konkurrieren kann. Dafür hat ein Team-Mitglied das entsprechende Modul und die Applikation als Beta-Tester genauer unter die Lupe genommen und über einen Zeitraum von über drei Wochen intensiv im Alltag getestet.

Folgende Themen dazu stellen wir Ihnen vor:
  • Die Technische Realiserung
  • Das wöchentliche Dashboard
  • Das Fahrtenbuch
  • Die Tank-Rabattierung
  • Weitere Funktionen
  • Risiken einer Cloud-basierten Lösung

Abschließend werden wir unser Fazit aus dem Blickwinkel der (Flotten-)Telematik ziehen.

Technische Realisierung

Tanktaler.de nutzt ein mit SIM-Karte und Batterie ausgestattetes Modul für die OBD-II-Schnittstelle in PKWs. Dieses erfasst regelmäßig z.B. den Standort, die Geschwindigkeit, die Ladung der Fahrzeug-Batterie,… So können zwischen zwei Fahrzeug-Stopps gefahrene Streckenabschnitte erfasst werden. Maßgeblich für die Erfassung scheint das Zündsignal des Fahrzeugs. Gefahrene Streckenabschnitte werden als Daten an den tanktaler-Server gesendet. Befindet sich das Fahrzeug einmal in einer Tiefgarage ohne Funksignal, so werden die in Zwischenzeit aufgenommenen Daten zwischengespeichert und später nachgereicht.

Sämtliche Daten werden für den Nutzer strukturiert und übersichtlich in der Smartphone-App dargestellt (bisher erhältlich für Android und iOS).

tanktaler-Modul, Ansicht von vorne, (C) telematikwissen.de
tanktaler-Modul, Ansicht von oben, (C) telematikwissen.de
tanktaler-Modul, Ansicht von der Seite, (C) telematikwissen.de

Das wöchentliche Dashboard

In einem wochenaktuellen Dashboard werden dem Nutzer beim Öffnen seiner tanktaler-App folgende Daten bereitgestellt und visualisiert:

  • Status des Fahrzeugs (in Fahrt, Geparkt,…)
  • Kilometerstand
  • Batteriezustand
  • In Bewegung (Zeit und Distanz über oder unter 130km/h gefahren)
  • Tag und Nacht (Zeit und Distanz bei Tag bzw. Nacht gefahren)
  • Wochenübersicht (Kilometerübersicht über Fahrten der vergangenen Woche)
  • Laufleistung (Hochrechnung der aktuellen Laufleistung auf das Jahr)

Das Fahrtenbuch

Aus den erfassten Daten wird eine Art Fahrtenbuch erstellt. Dabei werden die einzelnen Streckenabschnitte mit folgenden Daten angeführt, Tankvorgänge werden hier ebenfalls eingetragen:

  • Abfahrts- und Ankunftsort, (als Adresse bzw. GPS-Koordinaten)
  • Abfahrts- und Ankunftszeit,
  • Gesamte Fahrzeit,
  • Gefahrene Distanz,
  • Getankte Liter
  • Gesammelte Tanktaler (dazu später mehr).

Die erfassten Standort-Daten der Anfangs- und Zielorte einer Fahrt können in der App „benannt“ werden und werden direkt für zukünftige Fahrten wiederverwendet, z.B. “Arbeitsstätte”.

Praktisch ist zudem der Export der erfassten Daten als „.csv“-File für den Nutzer, zur gegebenenfalls eigenen Aufbereitung der Daten.

Tank-Rabattierung

Tanktaler.de bietet für kleine Flotten, Einzelunternehmer und Privatpersonen zusätzlich zur Funktion als Telematiksystem eine einfache Alternative oder Ergänzung zur Tankkarte. Das funktioniert wie folgt:

Per App können Stopps zwischen gefahrenen Streckenabschnitten als Tankvorgänge identifiziert werden. Zudem muss der Nutzer noch die Höhe der Tankfüllung eintragen. Dadurch schreibt Tanktaler.de dem Nutzer eine Ersparnis in Höhe von 2ct pro Liter (Stand Februar 2016) gut, bei allen Tankstellen in ganz Deutschland.

Das System basiert auf den sogenannten Tanktalern. Das sind Punkte, die man pro getankten Liter gutgeschrieben bekommt. Diese können auf unterschiedliche Art und Weise ausgezahlt werden. Die Gutschrift pro Liter Kraftstoff entspricht dabei tatsächlich 2ct.

Punkte und damit eine Gutschrift werden ebenfalls pro gefahrenen Kilometer gesammelt. Es soll in Zukunft noch weitere Möglichkeiten geben Tanktaler zu sammeln.

Weitere Funktionen

Neben der Erfassung der Daten kann bei tanktaler.de ebenfalls per App ein „Inkognito“-Modus aktiviert werden, bei dem keine Daten gesammelt und gesendet werden. Diese Funktion dürfte für Privatpersonen interessant sein, weniger für professionelle Flottenbetreiber.

Risiken einer Cloud-basierten Lösung

Das Thema Datenschutz und insbesondere Datensicherheit ist heutzutage sehr sensibel, insbesondere wenn es um Cloud-basierte Lösungen geht. Noch kritischer ist die Betrachtung, wenn die Cloud an sensible Schnittstellen wie die OBDII-Schnittstelle „angebunden“ wird.

Die Daten eines Flottenbetreibers/ Fahrzeughalters werden laut eigenen Angaben von Tanktaler per VPN und https übertragen und für den Nutzer ebenfalls in einer „Cloud“ abgelegt. Die zugehörigen Server stehen laut Tanktaler in einem Sicherheitsrechenzentrum in München. Der Betreiber Thinxnet hat laut Homepage, speziell für Tanktaler einen externen Datenschutzbeauftragten, eine Berliner Anwaltskanzlei, engagiert, die die Systeme und Abläufe für diese „Connected Car“-Lösung überwacht.

Kritiker äußern sich seit dem Start von Tanktaler dennoch nach wie vor über die latente Gefahr des „Car-Hackings“ über den Zugriff auf die OBDII-Schnittstelle der Nutzer. Gerade unter dem Aspekt der Datensicherheit klingen einige Risiken der innovativen Lösung von Tanktaler mit.

Fazit

Vergleicht man das Modell der Münchner im Unterschied zu klassischen Tankkarten, ist die Lösung für Einzelunternehmer bzw. kleine Flotten, aber insbesondere auch für Privatpersonen durchaus interessant.

Betrachtet man Tanktaler unter dem Aspekt eines GPS-Loggers, muss man die gut strukturierte Visualisierung der Flottenfahrzeuge besonders hervorheben.

Wägt man jedoch ab zwischen den gesammelten Daten und dem erzeugten Mehrwert, stellt man fest, dass bislang noch die zahlreichen Möglichkeiten fehlen, die das Verwalten der Daten mit einem professionellen Telematiksystem dem Nutzer ermöglicht. Auch die Unterstützung des Flottenbetreibers durch Services – wie bei Tankkarten-Betreibern sonst üblich (Abrechnung durch Tankkarten-Betreiber, Vorsortieren der Belege,…) – entfällt hier bislang.

Unserer Meinung nach ist tanktaler.de eine interessante Entwicklung, die weiterhin beobachtet werden sollte. Insbesondere die Möglichkeiten, in Bezug auf die Daten, die heute schon erfasst werden dürften und nur noch nicht für den Kunden aufbereitet werden, deuten darauf hin, dass Tanktaler wohl noch in seinen Startlöchern steht und in Zukunft auch für kommerzielle Flotten eine Option darstellen wird.

Heute stellt es lediglich im erweiterten Sinne eine Konkurrenz zu erhältlichen „GPS-Trackern“ von PKWs dar, nicht aber zu den darüberhinausgehenden Telematiksystemen.

(CB, 29.02.2016)

Weiterlesen

Als weitere interessante Artikel können wir Ihnen folgende Websites zu dem Thema empfehlen:

  • Folgende Website geht insbesondere auf das Geschäftsmodell von Tanktaler ein:

http://www.iphone-ticker.de/tanktaler-gps-auto-stecker-mit-app-und-mehrwert-90869/

  • Folgender Outdoor-Blog thematisiert Tanktaler ebenfalls nach einem eigenen Test:

http://www.gocacher.de/tanktaler-gps-auto-stecker-deal-oder-datenschleuder/

  • Folgender IT-Blog stellt die Idee von Tanktaler vor:

https://www.kadder.de/2016/02/tanktaler-das-auto-mit-dem-smartphone-koppeln/

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