Sprit sparen, Fehlercodes auslesen und Fahrtenbuch führen

Sprit sparen, Fehlercodes auslesen und Fahrtenbuch führen

Die PACE „Connected Car“-Lösung erweitert Fahrzeug-Bedieninstrumente

iOS Drivemode, (c) PACE Telematics GmbH

iOS Drivemode, (c) PACE Telematics GmbH

Zum Ende des Jahres hat ein weiteres Unternehmen, diesmal aus Berlin, eine “Connected Car”-Lösung herausgebracht: Das „PACE“-System bietet mit Hilfe eines OBD2-Moduls ein breites Portfolio an Features, wobei insbesondere der Spritspartrainer, die Fehlercode-Analyse und das elektronische Fahrtenbuch für kommerzielle Nutzer interessant sein könnten. Aus diesem Grund haben wir uns mit einem der Gründer verabredet und zum Interview gebeten.

Dr. Martin Kern, der mit am Aufbau von „tirendo“ (Online-Reifenversand) als CEO mitgewirkt hat, konnte uns einige Fragen beantworten, insbesondere, was das PACE-System ausmacht. (Telematikwissen.de hat Anfang des Jahres 2016 bereits den sog. Tanktaler-Stecker vorgestellt, unseren Testbericht dazu finden Sie hier)

Neben der eigenen Entwicklung des Moduls und der Herstellung in Deutschland sind die Gründer stolz auf zahlreiche Zertifizierungen, die auch eine Straßenzulassung des Moduls sicherstellen. Zudem nutzt PACE die Datenverbindung eines Smartphones und kommuniziert nicht über eine eigene SIM-Karte, wodurch laufende Kosten für den OBD2-Stecker vermieden werden.

Das PACE System besteht aus einem OBD2-Modul, einer Smartphone-Applikation (iOS, Android) und einer Web-Oberfläche. Über die App werden dem Nutzer verschiedene Informationen angezeigt, womit das System quasi eine Erweiterung der Fahrzeug-Instrumente darstellt.

Dabei gibt es aktuell (Stand: Oktober 2016) 9 verschiedene Elemente:

Pace Features, (c) PACE Telematics GmbH

Pace Features, (c) PACE Telematics GmbH

Insbesondere die Fehlercode-Analyse mit eigens aufbereiteten, redaktionellen Inhalten zu den unterschiedlichen Codes soll jedermann helfen akute Probleme über den PACE Link (OBD2-Stecker) aus dem eigenen Auto auszulesen, im Unterschied zu den bisher eher kryptischen Beschreibungen der Standard CAN-Codes, die online zu finden sind.

iOS Fehlercode-Analyse, (c) PACE Telematics GmbH

iOS Fehlercode-Analyse, (c) PACE Telematics GmbH

Das Fahrtenbuch von PACE soll auch Finanzamt-konform sein, wobei – wie bei den anderen Herstellern ähnlicher „Connected Car“-Angebote – keine Garantie für die Akzeptanz durch die Finanzbehörden übernommen werden kann, da das Finanzamt immer eine Einzelfallprüfung vornimmt. Die Bearbeitung der Fahrten kann laut PACE innerhalb der gesetzlich erlaubten Frist online in der Web-Oberfläche vorgenommen werden.

Die Anzeige im Modus „Spritspartrainer“ bietet Live-Feedback, abhängig von Beschleunigungs- und Bremsverhalten und analysiert längere Leerlaufzeiten des Fahrzeugs. Durch diese Event-bezogenen Mitteilungen, sollen angeblich bis zu 25% Sprit gespart werden. Diese Zahl ist mehr als ambitioniert und es bleibt abzuwarten, ob Kunden derartige „Wunder“ bestätigen können.

Das PACE System selbst ist noch sehr jung im Markt und wurde ursprünglich mit Hilfe einer Kickstarter-Kampagne („Crowdfunding“) entwickelt, wobei das Unternehmen hier intensiv mit den Interessenten ein Funktionsportfolio ausgearbeitet und umgesetzt hat.

Vergleich PACE Car mit anderem OBD2-Modul, z.B. Tanktaler

Das PACE System unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich von anderen Modulen im Markt, z.B. vom Tanktaler-Stecker:

  • Der Stecker: Das Tanktaler-Modul sendet mit einer eigenen SIM-Karte Fahrzeug-Daten an einen Server, während PACE Daten via Bluetooth LE (Low Energy) an das Smartphone sendet und die Daten darüber an den Server verschickt. Während der Tanktaler-Stecker ein eigenes GPS-Modul nutzt, verwendet PACE die GPS-Daten des Smartphones.
  • Die App: Während Tanktaler-Kunden Taler für bestimmtes „Fahrverhalten“ sammeln können und bietet PACE eine Erweiterung der Fahrzeug-Instrumente. Beide Apps verfolgen damit einen unterschiedlichen Ansatz: Tanktaler eher zur Fahrt-Nachbereitung, PACE kann auch „live“ während der Fahrt genutzt werden.
  • Thema Datenschutz: Beide Module verschreiben sich dem Datenschutz und verschlüsseln sämtliche, übertragenen Daten.
  • Der Preis: Das PACE Link-Modul (OBD2-Stecker) kostet aktuell (Stand: November 2016) 99,00€. Im Vergleich dazu kostet der Tanktaler-Stecker bei amazon.de (Stand: November 2016) den gleichen Betrag, wobei auch hier keine Folgekosten entstehen.

Nachdem dieses Jahr bereits einige Hersteller von „Connected Car“-Lösungen auf den Markt gekommen sind, ebenso wie Versicherungsanbieter, die hier zum Teil eigene Geräte anbieten, scheint das Wettrennen eröffnet, wer bei der breiten Masse den ersten Stecker in der OBD2-Buchse hat. Wir begrüßen die Nutzung von „Telematik“ für PKWs und sind gespannt, welches System sich durchsetzen wird.

Ein weiterer visueller Eindruck wie ein “Spritspartrainer” aussehen könnte:

(07.11.2016, CB)