Integrationsportale: Die Zukunft der Telematik?

+++Update zum Thema “Integrationsportale” [30.01.2016]+++
Neue Studie der DHBW Ravensburg (Prof. Dr.-Ing. Dudek) verfügbar zum Vergleich von Integrationsportalen:
Artikel: “DHBW Ravensburg veröffentlicht Studie zu Telematik-Integrationsportalen”
Studie: Marktanalysen – Stichwort “Telematik 2015″
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Die Ausrüstungsquote von Nutzfahrzeugen – und hier ist nicht nur der 40-Tonner gemeint, sondern auch der Pkw eines Servicetechnikers – mit Telematiksystemen steigt weiter an. Einzelne Teilbranchen aus Transport und Logistik haben annähernd Vollausstattung erreicht, z.B. die KEP-Unternehmen. Bisher waren das typischerweise vor allem Nachrüstungen, d.h. ein Telematiksystem wurde von einem Fahrzeugbetreiber ausgewählt und in seine bestehende Fahrzeugflotte eingebaut. Damit war – unabhängig vom Fahrzeugmix – ein einheitliches Telematiksystem für die gesamte Flotte sichergestellt. Da es die Telematikbranche in den vergangenen 20 Jahren aber versäumt hat, sich auf einen industrieweiten Standard zum Austausch der Informationen zwischen Fahrzeugendgerät und der IT in der Flottenzentrale bzw. dem Telematikportal zu einigen, sind diese Nachrüstlösungen allesamt Insellösungen. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Erstausrüstung mit Telematik vom Fahrzeughersteller. Ein Fleetboard-Bordrechner in einem Mercedes-Lkw kann beispielsweise nicht mit dem MAN-Telematikportal kommunizieren.

Telematik-Integrationsportale

Integrationsportale vereinen Telematik-Portale verschiedener Hersteller

Solange Telematik im Nutzfahrzeug noch eine Sache der „early adopters“ war, war das mit der Insellösung nicht weiter tragisch. Doch mit der Verbreitung der Telematik zeigen sich nun auch die Nachteile immer deutlicher. Übernimmt etwa ein Transportunternehmen ein anderes, und sind dessen Fahrzeuge auch mit Telematik ausgerüstet, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass es sich um verschiedene Telematiksysteme handelt. Für die Disposition bedeutet das nun, dass man die Fahrzeugpositionen auf zwei verschiedenen Internetportalen suchen muss. Das ist natürlich für das operative Geschäft untragbar.

Aus der fehlenden Telematikstandardisierung und der daraus resultierenden Insellandschaft ergeben sich nun neue Geschäftsmodelle, die so genannten Integrationsportale. Das Konzept dahinter ist, die jeweiligen Telematikportale der verschiedenen Telematikanbieter „anzuzapfen“ und in einem Portal zusammen zu führen. So können die Informationen aus den Fahrzeugen einer Flotte unabhängig von jeweils im Fahrzeug verbauten Endgerät in einer gemeinsamen Datenbank gehalten, ausgewertet und visualisiert werden. Um das zu ermöglichen, muss der Anbieter des Integrationsportals zu möglichst vielen der am Markt angebotenen Telematikportale eine Datenschnittstelle realisieren. Das ist eine Sisyphosarbeit, wenn man die Anzahl der anzubindenden Telematikportale bedenkt, und sich klarmacht, dass auch diese einer laufenden Weiterentwicklung unterliegen. Bisher sind es die Unternehmen Agheera, GateHouse, Kasasi/NICbase und T-Systems/TelematikOne, die sich dieser Aufgabe stellen.

telematikwissen.de wird die technische und geschäftliche Entwicklung dieser Integrationsportale verfolgen!

(HLD, Juni 2015)

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