Ferndiagnose mittels Telematik

„Remote diagnostics“ – das ist laut Strategy& einer von sechs Technologie-Treibern, der Lkw-Transporte bis 2025 verändern soll 1. Bei „Remote Diagnostics“ geht es um eine Ausfallerkennung aus der Entfernung.

Herausforderungen der Ausfallerkennung

Man kann dabei zwischen präventiver Diagnose (im weitesten Sinne „Predictive Maintenance“) und akuter Ausfallerkennung unterscheiden.
Während „Predictive Maintenance“ zukünftige Ausfälle vorhersagen soll, geht es gerade bei der akuten Ausfallerkennung darum, möglichst schnell und präzise das aufgetretene Fehlerbild zu erkennen, um entweder noch vor Ort oder in einer Werkstatt das Fahrzeug instand zu setzen.
Eine Herausforderung bei diesem „Remote Service“ ist es, gerade bei einer heterogenen Fahrzeugflotte, die mit unterschiedlichen Telematik-Systemen arbeitet, unterschiedliche Meldungen zu verstehen und daraufhin tätig zu werden.
Daher kann man Ferndiagnose-Lösungen in zwei Hauptkategorien einteilen:

Ferndiagnoselösungen mittels Telematik, (c) telematikwissen.de

Kategorisierung von Ausfalldiagnose-Systemen, (c) telematikwissen.de

Gerade für derartige Anwendungsszenarien stellen Telematik-Integrationsportale eine geeignete Lösung dar. Während es im Jahr 2015 zum ersten Mal eine Studie zu diesen innovativen Lösungen gegeben hat , sind mittlerweile mehrere Anbieter – insbesondere auch für das Spezialthema „Remote Diagnostics“ – in den Markt eingetreten.

Best Practice-Konzepte für Ferndiagnose mittels Telematik

An dieser Stelle möchten wir das Konzept, insbesondere von Mehrmarkenlösungen, am Beispiel verschiedener „Remote Diagnostics“-Lösungen vorstellen:
Die Lösung von WABCO, WABCOWÜRTH und Transics ist ein System, das kontinuierlich den Zustand von Fahrzeugen und Trailern unterschiedlicher Marken überwacht. Durch die Analyse der Daten aus den elektronischen Fahrzeugsystemen einschließlich sämtlicher Steuergeräte kann im Normal-Betrieb vor allem die Service-Planung durch eine Mitteilung an die Fahrerzentrale optimiert werden. Im Falle einer Störung werden sämtliche Fehlermeldungen unmittelbar in Wartungs- und Servicehinweise übersetzt: Das ermöglicht eine zügige und präzise Instandsetzung. Neben dieser „akuten Ausfallerkennung“ bietet die Schnittstelle die Möglichkeit, in Zukunft an den Mehrwerten von „Predictive Maintenance“ teilzuhaben. Gerade aufgrund herstellerspezifischer Protokolle am CANBUS kombiniert eine Mehrmarken-Lösung in diesem Feld die Vorteile von „Remote Diagnostics“ mit den Vorteilen von Telematik-Integrationsportalen.

Transics Remote Diagnostics, (c) Transics

Transics Remote Diagnostics, (c) Transics

Eine präventionsorientierte Lösung für „Remote-Diagnostics“ und Mehrmarken-Flotten bietet ADAC TruckService. Aktuell ist dieses System bereits für Trailer auf dem Markt. Der Experte für Pannenhilfe aus Laichingen bietet mit seiner Pannenprävention eine Überwachung und Analyse von Fahrzeugsystemen und nutzt dabei die Datenintegrations-Expertise des Dienstleisters kasasi. Dabei werden nach Zustimmung des Kunden die Telemetriedaten automatisch auf eine neutrale Plattform übertragen und dort analysiert. Werden bestimmte Sollwerte unter- oder überschritten, wird der Fuhrparkzentrale mittels Ampelsymbolik eine Handlungsempfehlung per Email oder Telefonat übermittelt.

Ablauf der ADAC TruckService-Pannenprävention, (c) ADAC TruckService

Ablauf der ADAC TruckService-Pannenprävention, (c) ADAC TruckService

Im Interview heißt es von Seitens ADAC TruckService, dass in einem bundesweiten Pilottest Mitte 2016 bei über 1100 Fahrzeugen Schäden in Höhe von etwa 200.000 Euro durch das frühzeitige Eingreifen verhindert werden konnten. Festgestellt wurde dabei aber auch, dass nur ein extrem niedriger Anteil aller Lkw mit Reifendruckkontroll-Systemen ausgestattet gewesen sei, obwohl das eine der Hauptursachen für vermeidbare Fahrzeugausfälle darstelle. Nicht zuletzt hier könnte die ADAC-Tochter mit ihrer Lösung eine einfache, aber effektive Hilfe anbieten.
Aufgrund der überzeugenden Performance der Pannenprävention bei den Trailern soll diese bis 2018 auch für Bremsen, Reifen und Zugmaschine verfügbar sein.

Reifenprobleme - nach wie vor eine wesentliche Ursache für vermeidbare Fahrzeugausfälle im Flottenverkehr

Reifenprobleme – nach wie vor eine wesentliche Ursache für vermeidbare Fahrzeugausfälle im Flottenverkehr

Beide Anbieter, das WABCO Konsortium sowie ADAC TruckService, betonen die Integration des Systems in den Instandsetzungsprozess: Bei WABCO werden die Erfahrungen von WABCOWÜRTH in Bezug auf die Fahrzeugdiagnose zur Ermittlung von Handlungsempfehlungen genutzt. Falls erwünscht, startet der ADAC im Falle eines kritischen Fahrzeugzustands darüber hinaus direkt einen Panneneinsatz oder organisiert eine Sofort-Reparatur entlang der Fahrtroute des Lkw.
Die Systeme passen in den Trend der markenübergreifenden Lösungen und sollen ihren Kunden signifikante Einsparungen ermöglichen: Während Strategy& mit ca. 5% Kosteneinsparung in Bezug auf Wartungskosten rechnet2, erwartet ADAC TruckService eine Einsparung von rund 500 Euro pro Jahr pro Trailer3. Bei den Kühltransporten wurde im Praxistest die Summe von 500 Euro jedenfalls schon nach drei Monaten erreicht. Wir sind gespannt, welche weiteren Lösungen – spätestens bis zur kommenden IAA Nutzfahrzeuge 2018 – den Markt erobern.
(CB, 14.02.2017)

1. http://www.strategyand.pwc.com/media/file/The-era-of-digitized-trucking.pdf

2. http://www.strategyand.pwc.com/media/file/The-era-of-digitized-trucking.pdf

3. https://www.adac.de/produkte/lkwpannenhilfe-mobilitaetsmanagement/news-events/presse/pannenpraeventionsservice.aspx