Ein neuer Player betritt die Telematikbühne: Knorr Bremse

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Es ist ja nicht selten, dass neue Anbieter in den Markt der Nutzfahrzeug-Telematik einzutreten versuchen. Auf jeder in diesem Umfeld stattfindende Messe erlebt man neue Anbieter. In der Vergangenheit waren das entweder asiatische Unternehmen mit äußerst günstiger Hardware oder softwaredominierte Startups, die sich mit Consumergeräten a la Smartphone oder Tablet einen Markteintritt versprochen haben. Was nicht immer erfolgreich war.

In der jüngeren Vergangenheit haben hingegen einige schon im Automotive-Umfeld tätige Unternehmen die Telematik für sich entdeckt.

Typische Beispiele waren Openmatics von ZF, die Übernahme von Funkwerk Eurotelematik durch BPW oder die Übernahme von Transics durch WABCO. Nun betritt ein weiterer Player aus der Fahrzeugzulieferbranche das Spielfeld, die „Knorr Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge GmbH“ aus München.

Im Gegensatz zu den vorstehend genannten Beispielen soll der Markteinstieg aber dabei weder über eine Eigenentwicklung noch durch Übernahme eines Unternehmens erfolgen. Die Münchner verfolgen eine Kooperationsstrategie und haben sich mit dem englischen Telematikanbieter Microlise Ltd. aus Nottingham zusammen getan.
Über die Hintergründe sprachen wir bei Knorr Bremse mit Herrn Alexander Wagner, Vice President Aftermarket EMEA:

Was hat Knorr Bremse bewogen, in den bereits hart umkämpften Markt der Telematik für Nutzfahrzeuge einzusteigen?

Auch wenn der Markt bereits hart umkämpft ist, sehen wir diesen als sehr attraktiv an, da er immer noch ein hohes Wachstumspotential aufweist. Knorr-Bremse ist als führender Hersteller von Bremssystemen und Anbieter weiterer Subsysteme für Nutzfahrzeuge geradezu prädestiniert, auch in diesem Marktsegment eine wichtige Rolle zu übernehmen. Wir sind überzeugt davon, dass wir den Kunden durch unsere Nutzfahrzeugexpertise einen deutlichen Mehrwert auch in Telematik- und angrenzenden Dienstleistungen bieten können.

Welche spezielle Zielgruppe sehen Sie für Ihr „ProFleet Connect“?

Unser Telematiksystem ist für alle Fahrzeugmarken geeignet, ganz egal ob es sich dabei um Lkw, Trailer oder Busse handelt. Dies ist insbesondere für Flotten, die einen gemischten Fuhrpark betreiben, interessant, da sie auf diese Weise von einer einheitlichen Lösung profitieren können.

Wie ist Knorr Bremse TruckServices vertrieblich aufgestellt? Gehen Sie im Direktvertrieb zu Fahrzeugbetreibern oder vertreiben Sie ProFleet Connect über Partnernetzwerke?

Wir verfolgen einen parallelen Ansatz. Zum einen bauen wir ein direktes Vertriebsnetz auf um die Markt und die Kundenwünsche direkt aufzunehmen und den besten Service anbieten zu können. Des Weiteren werden wir unsere Partner in den Vertrieb und Service der Telematik einbinden, und somit die Stärke der Knorr-Bremse TruckService Partnernetzwerke auch unseren Telematik-Kunden zur Verfügung.

Sie haben sich entschlossen, keine Eigenentwicklung zu starten, sondern auf dem bewährten Angebot des englischen Telematikanbieters Microlise aufzubauen. Was waren die Gründe für diese Entscheidung?

Die beiden Partner ergänzen sich perfekt. Microlise hat mit über 250 Tsd. Anwendungen weltweit seine führende Kompetenz im Telematikbereich deutlich bewiesen. Knorr-Bremse bringt sein europaweites Vertriebs- und Servicenetz in die Kooperation ein und trägt somit dazu bei, weitere Märkte zu erschließen.

Mit welchem USP wollen Sie Fahrzeugbetreiber von Ihrem Angebot überzeugen?

Durch den modularen Aufbau unseres Systems sehen wir uns in der Lage, unabhängig von der Größe und dem Anwendungsgebiet eine maßgeschneiderte Lösung – zugeschnitten auf die spezifischen Bedürfnisse des Flottenkunden – implementieren zu können. Schon heute findet das System in so unterschiedlichen Bereichen wie Stückgutverkehr, KEP, Lebensmittel, Pharma- und Chemietransporten, Feldservice und ÖNPV Anwendung.

Bietet Ihr System Schnittstellen zu anderen Telematiksystemen, so dass Sie Fahrzeuge in Ihr Portal einbinden können, die mit Telematikendgeräten anderer Hersteller ausgerüstet sind?

Wir arbeiten in der Tat bereits an solchen integrativen Lösungen.

Welche Einflussfaktoren werden nach Ihrer Einschätzung die weitere Telematikdurchdringung in Transport und Logistik in den nächsten 2 bis 3 Jahren bestimmen?

Die Transportbranche steht unter einem enormen wirtschaftlichen Druck. Die Akzeptanz von Telematiksystemen wird gewiss davon abhängen, dass man den Kunden Lösungen anbietet, die sich schnell amortisieren – durch Kraftstoffeinsparungen, erhöhte Auslastung der Transportkapazitäten und höhere Fahrzeugverfügbarkeit.

Wo erwarten Sie im Telematikangebot aller Anbieter die nächsten Entwicklungssprünge? Sind das neue Funktionen, neue Hardware, oder eine verbesserte Performance?

Sicherlich werden die zukünftigen Mobilfunkstandards Einfluss auf das Hardware-Design haben und durch höhere Übertragungsraten weitere Funktionalitäten ermöglichen. Neue Möglichkeiten sehen wir insbesondere im Bereich der Optimierung des Wartungsmanagement, da die Flotten hier durch eine höhere Verfügbarkeit der Fahrzeuge deutlich an Produktivität gewinnen können. Knorr-Bremse ist mit seinem System-Know-How sehr gut aufgestellt, einen signifikanten Beitrag in diesem Bereich zu leisten.

Welche Auswirkungen der Industrie 4.0 Konzepte auf die IT-Systeme der Transportlogistik –und damit auch auf die Telematik- erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Durch die Industrie 4.0 Konzepte steigt der Umfang der verfügbaren Daten exponentiell an. Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 2020 weltweit deutlich über 20 Milliarden Geräte vernetzt sein werden, davon sicherlich ein signifikanter Anteil auch im Transportumfeld. Es wird darauf ankommen, all diese Datenquellen nahtlos in ein integratives System einzubinden.

Sehen Sie im Umfeld der Telematik sich ändernde Randbedingungen, die den Telematikmarkt in D/A/CH beeinflussen werden?

Die verstärkten Aktivitäten der OEMs im Telematikbereich sorgen dafür, dass das Thema Telematik / Connectivity deutlich an Relevanz in der Transportindustrie gewinnt. Wir sehen dies durchaus positiv für die gesamte Telematikbranche. Durch die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung, die im Mai 2018 in Kraft tritt, steigen die Anforderungen an die Datenverarbeitung auch für Telematikanbieter. Für die gesamte Branche bedeutet dies einen enormen Kraftakt. Wir arbeiten mit unserem Partner Microlise bereits intensiv daran, uns entsprechend aufzustellen.