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DHBW Ravensburg veröffentlicht Studie zu Telematik-Integrationsportalen

DHBW Ravensburg veröffentlicht Studie zu Telematik-Integrationsportalen

Im Sommer 2015 hat die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Campus Friedrichshafen die Telematik-Teildisziplin „Integrationsportale“ hinsichtlich ihrer Verbreitung und den angebotenen Funktionen zur Steuerung und Überwachung von Nutzfahrzeugflotten analysiert. Erste Ergebnisse wurden bereits bei den IT-Anwendertagen der VerkehrsRundschau im November 2015 in Berlin präsentiert. Nun erfolgte die Publikation des detaillierten Berichts.

(C) Gatehouse
(C) Gatehouse

Telematik-Integrationsportale sind ein Angebot, das sich erst in den letzten zwei bis drei Jahren in das Bewusstsein der Flottenbetreiber gearbeitet hat. Wer es geschafft hat, seine Fahrzeugflotte homogen mit dem Telematiksystem eines einzigen Anbieters auszurüsten, hat es im täglichen Betrieb einfach. Alle Informationen zu den Fahrzeugen finden sich in einer Anzeige- und Bedienoberfläche, sei es nun ein Telematikportal oder –wenn auch langsam aussterbend- eine beim Flottenbetreiber lokal installierte Software. Doch zwischenzeitlich haben es Disponenten oft mit mehreren verschiedenen Telematiksystemen zu tun, beispielsweise wenn durch Zukauf oder auch Unterbeauftragung von bereits mit Telematik ausgestatteten Fahrzeugen oder ganzer Flotten eine inhomogene Telematiklandschaft entsteht. Informationen zu den Fahrzeugen der zu steuernden Flotte finden sich dann in verschiedenen Telematikportalen wieder. Ein Disponent muss sich seine Informationen in diesem Fall aus verschiedenen Bildschirmen und Ansichten herausfiltern. Und zwei verschiedene Telematiksysteme hat man schnell, wenn man beispielsweise seine Zugmaschinen und Trailer jeweils mit dem OEM-System des Fahrzeugherstellers einkauft. Das mag bei nur zwei verschiedenen Telematikausrüstungen noch gerade so funktionieren, ab dem dritten eingebundenen Telematiksystem ist das nicht mehr zu beherrschen. Dann muss ein Integrationsportal zwischengeschaltet werden, welches die Informationen aus verschiedenen „Quellen“-Telematiksystemen übernimmt und zu einer einheitlichen Informationsdarstellung verarbeitet.

Um diese noch recht junge Telematikdisziplin näher zu beleuchten, wurde im Sommer 2016 an der DHBW Ravensburg Campus Friedrichshafen unter der Leitung von Prof. Dr. Heinz-Leo Dudek eine Vergleichsstudie der bisher am deutschen Markt vertretenen Integrationsportale durchgeführt. Teilnehmer waren die Anbieter

• Agheera GmbH, Troisdorf

• Catkin GmbH, Dortmund

• Gatehouse A/S, Noerresundby, Dänemark

• kasasi GmbH, Kempten

• T-Systems International GmbH, Frankfurt/Main

Die Ergebnisse der Studie können auf der Unterseite telematikwissen.de – Marktanalysen unter dem Stichwort „Telematik 2015“ als PDF-Dokument heruntergeladen werden.

Überraschend war, dass sich bei den Anbietern in dieser noch recht jungen Telematik-Teildisziplin schon derart beeindruckende Fahrzeugzahlen finden lassen. Die drei größeren Anbieter liegen mit der Anzahl der eingebuchten Fahrzeugeinheiten jeweils bereits im fünf- bzw. sogar sechsstelligen Bereich. Weiterhin war überraschend, dass sich zurzeit noch eine relativ klare Positionierung der Integrationsportale erkennen lässt. Gatehouse darf sicher als Platzhirsch und Schnittstellen-Champion bezeichnet werden, kasasi als Spezialist im Kühlgutbereich. Agheera tummelt sich aufgrund seiner Herkunft aus dem KEP-Umfeld vor allem in dieser Teilbranche sowie in der Containerüberwachung und Telematik One von T-Systems scheint eher auf Projektgeschäft ausgelegt zu sein.

Abschließend sollte aber schon darauf hingewiesen werden, dass Integrationsportale eigentlich überflüssig wären, wenn sich die Telematik-Community vor Jahren auf eine einheitliche Schnittstelle zu den Bordrechnern geeinigt hätte. Der Flottenbetreiber könnte unterschiedlich ausgerüstete Fahrzeuge in ein einziges Telematikportal einbinden. Doch die Telematikanbieter haben es leider in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht geschafft, sich auf einen Schnittstellenstandard zu verständigen, obwohl es Ansätze dazu gab, wie beispielsweise den GATS-Standard oder das Open Telematics Interface OTI.
Einzelne Telematikanbieter wollen dem Trend zu Integrationsportalen nun Paroli bieten und arbeiten daran, ihre eigenen Telematikportale an die Kommunikationsserver der Wettbewerber anzubinden, um auf diese Weise die Informationen aus unterschiedlich ausgerüsteten Fahrzeugen auf einer Plattform zu konsolidieren. Nur, da muss der Wettbewerber natürlich mitspielen und den Zugang zu seinem Kommunikationsserver öffnen. Und das haben die Anbieter von Integrationsportalen aufgrund ihrer neutralen Position schon geschafft.
(hld, 30.01.2016)