Connected Logistics – oder wie die letzte Unbekannte der Transportbranche getrackt wird: die Fracht

Neben der Positionsverfolgung („Tracking“) von Fahrzeugen verstärkt sich gerade der Trend, einzelne Ladungselemente und Waren ebenfalls zu verfolgen, oftmals unter dem Begriff „Connected Logistics“ oder „Smart Cargo“. Dabei geht es jedoch häufig weiter als das reine „Trace & Trace“ und es werden z.B. weitere Datenpunkte wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Erschütterung etc. in der Ladung oder in der Ladungsumgebung erhoben.
Als Trend schon 2015 von der Deutschen Post und Cisco für den Bereich IoT in der Industrie vorgestellt1, bieten zahlreiche Hersteller mittlerweile Sensorik an um nicht nur das Transportvehikel (Lkw-Trailer, Container,…), sondern die Ware selbst zu verfolgen(Tracking) und zu überwachen (Monitoring).

In diesem Artikel stellen wir nicht nur einen klassischen Anwendungsfall, sondern auch vier Beispiele für Sensor-Lösungen aus der Inter- und Intra-Logistik vor.

blik-Sensor, Mit freundlicher Unterstützung von blik GmbH

blik-Sensor, Mit freundlicher Unterstützung von blik GmbH

Ein Use Case aus dem Logistik-Alltag

Folgendes Szenario zeigt die Chance dieser Sensoren auf:

Ein Automobilzulieferer transportiert einen Scheinwerfer zur nächsten Wertschöpfungsstufe beim Automobil-Hersteller. Im Rahmen des Transportes kommt es zu nicht unerheblichen Erschütterungen im Transportfahrzeug auf Grund von Schlaglöchern. Durch diese Umwelteinflüsse wird eine zentrale Steuerkomponente des Scheinwerfers zerstört, was aber von außen nicht erkennbar ist.

Mit Hilfe eines „Smart Cargo“-Sensors kann die Erschütterung als starke Beschleunigung der Ladung festgestellt werden. Anstelle, dass der Automobil-Hersteller das Bauteil verbaut und erst bei einem finalen Test oder schlimmsten Falles erst beim Kunden den Fehler beheben kann, kann er direkt auf ein mit hoher Wahrscheinlichkeit intaktes Bauteil zurückgreifen und etwaige Risiko Waren vor dem Verbau überprüfen. Zudem kann man die Ursache für den Defekt des Scheinwerfers zielgerichtet ermitteln und etwa durch optimierte Lagerung beheben. Damit geht es weniger um potentielle Schuldzuweisungen zwischen den Logistik Akteuren, sondern mehr um die Ermöglichung einer reibungslosen Supply Chain nach höchsten Qualitätskriterien.

Smart-Cargo Sensoren helfen nicht nur bei der Interlogistik (Transport zwischen mehreren Supply Chain Akteuren über Werksgrenzen hinweg), sondern auch in der Intralogistik innerhalb von Produktionsstätten. Während zuvor eine Übersicht nur über das ERP System möglich war, welches  nur über stationäre Scanpunkte den Status bzw. die Position von Gütern verbuchen konnte, bieten diese „Sensoren“ eine reale Verfolgung von z.B. Ladungsträgern oder direkt Bauteilen. Gleiches gilt für die Interlogistik, wobei Telematiksysteme zum Teil eine Lokalisierung über das Transportmittel ermöglichen.

ERP-System versus Realität – Connected Logistics hilft

Grundsätzlich liegt der Vorteil von Smart Cargo Sensorik nicht nur in der Befriedigung des Informationsbedürfnisses, sondern es hilft auch beim Aufdecken von versteckten Problemen innerhalb der Logistikprozesse. Somit unterstützt diese Technologie dabei, hinterlegte ERP-Daten mit der Realität abzugleichen.

Lösungen aus dieser Branche werden heute zum Teil noch unter „Asset Tracking“ vermarktet, Startups nennen es mittlerweile schon Smart Logistics, Intelligent Logistics, etc.

Im Folgenden stellen wir vier „Smart Cargo Sensor“-Lösungen vor, die zum Teil auf die Interlogistik, zum Teil aber auch für die Intralogistik geeignet sind:

 Der Transportspezialist: SmartSensor – ein Stand-Alone Sensor aus dem Hause DHL2

Schon in ihrem Trendreport haben DHL und Cisco auf den SmartSensor aus dem Hause DHL verwiesen: Dieses kleine, robuste Modul ist mit RFID oder GSM ausgestattet. Dadurch kann es entweder durch RFID-Scanner „getrackt“ werden oder es funkt im GSM-Fall, wie ein Telematiksystem, an eine „Logistik Cloud“. Dort werden die Daten wie Geo-Position, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, etc  aggregiert und dem Kunden zur Verfügung gestellt.

Gewachsen aus dem Pharmatransport-Bereich hat DHL im September 2016 die 1 Millionste Lieferung mit Hilfe eines Smart Sensors getrackt. Mit deutlich über 60.000 Sensoren im Markt3 ist dieses System äußerst erprobt.

Das System eignet sich unserer Einschätzung nach besonders für die Transportüberwachung über entfernte Strecken mit einem Dritt-Anbieter-Transporteur, auf dessen Transportmanagementsystem man keinen Zugriff hat.

https://www.dhl.de/de/geschaeftskunden/logistik/branchenloesungen/life-science-healthcare.html

Die Telematik-Erweiterung: OPENMATICS Asset Tracking – eine Lösung von ZFs Experten für die Digitalisierung der Mobilität

 

Tracking Lösung von OPENMATICS Asset Tracking Solution, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Openmatics s.r.o.

Tracking Lösung von OPENMATICS Asset Tracking Solution, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Openmatics s.r.o.

Mit Hilfe der Lösung werden TAGs an Waren angebracht. Über Bluetooth kann der Standort und Zustand bestimmt werden. Die Lösung aus dem Hause ZF/Openmatics kann über die Telematik-On-Board Unit, Mobile Endgeräte (Smartphones, Tablets,…) oder stationäre TAG-Reader überwacht werden. Damit gibt es die Möglichkeit direkt den Zustand der Fracht zu überwachen und nicht nur über Sensoren im Frachtraum auf deren Status zu schließen.

Laut eigenen Aussagen wird die OPENMATICS Asset Tracking Lösung mit stationären Lesegeräten auch im Stammwerk in Friedrichshafen zum Tracking bestimmter Getriebewellen genutzt, um Materialflüsse sichtbar und nachverfolgbar zu gestalten. Durch diese Lösungskomponenten bietet Openmatics ein System zum Warentracking, das sich sowohl für die Inter- als auch die Intralogistik eignet.

http://www.detagtive.com/de

TAG von OPENMATICS Asset Tracking Solution, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Openmatics s.r.o.

TAG von OPENMATICS Asset Tracking Solution, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Openmatics s.r.o.

Die Indoor Asset Tracking-Spezialisten: KINEXON – Indoor Asset Tracking aus München

KINEXON ermöglicht eine äußerst präzise Lokalisierung und Statusabfrage von Objekten innerhalb von Räumen. Das System funktioniert über Sensoren an den Waren/Assets und „Satellitenstationen“. Diese „Satelliten“ messen über Signallaufzeit die Distanz zu den Sensoren und triangulieren darüber die Position. KINEXON eignet sich nach eigenen Angaben ideal dafür weitere Sensorik an die Basismodule zu verbinden, um damit auch Temperatur o.ä. mitzutracken.

KINEXON Überblick, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Kinexon Industries GmbH

KINEXON Überblick, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Kinexon Industries GmbH

Ein großer Einsatzbereich liegt in der Produktion und (Intra-)Logistik. Aufbauend auf den Orts- und Bewegungsdaten von Transportvehikeln, Behältern, Maschinen und Werkzeugen lassen sich Prozesse innerhalb der Supply Chain digital erfassen, analysieren und optimieren. Darüber hinaus ermöglicht die KINEXON Technologie die Ortung und ferner die flurfreie Steuerung von fahrerlosen Transportsystemen.

kinexon-industries.com/

KINEXON Sensor, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Kinexon Industries GmbH

KINEXON Sensor, Mit freundlicher Unterstützung von (c) Kinexon Industries GmbH

Die Intralogistik-Spezialisten: blik – ein Startup aus dem Hause UnternehmerTUM

blik nutzt ebenfalls Ladungssensoren und stationäre „Satelliten“/Gateways, um den Standort von Gütern über den Sensor zu erfassen. Die aktiven Sensoren senden dabei an das Gateway ihren Zustand. Genutzt wird dabei der Funkstandard IEEE802.15.4, was dem in der Heimautomatisierung genutzten ZigBee nahe kommt. Mit einem Leuchtturmprojekt bei BMW hat das junge Team gezeigt, dass sie lückenlos Ladungsträger, wie z.B. Gitterboxen, tracken können. Neben der Indoor-Lokalisierung können sie unter anderem Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschleunigung messen. Dabei geht es in diesem Konzept nicht um die cm-genaue Lokalisierung, sondern um eine möglichst Energie-sparsame Waren-Tracking-Lösung, die auf Hunderttausend Einheiten pro Warenhaus ausgeweitet werden kann.

blik.io/

blik: Nutzungs-Szenario, Mit freundlicher Unterstützung von blik GmbH

blik: Nutzungs-Szenario, Mit freundlicher Unterstützung von blik GmbH

Wir sind gespannt welche Sensorik und welche Lösungen sich hier durchsetzen werden. Laut ZF widmet man sich damit der letzten Unbekannten in der Logistik-Kette: der Verfolgung des Frachtzustandes. Gerade die Zusammenarbeit zwischen jungen Tech-Start-Ups und etablierten Telematikern könnte hier eine sehr starke Logistik Allianz formen.


1. DHL Trend Research | Cisco Consulting Services: INTERNET OF THINGS IN LOGISTICS, http://www.dpdhl.com/content/dam/dpdhl/presse/pdf/2015/DHLTrendReport_Internet_of_things.pdf (06.07.2017)

2. DHL: COOL SOLUTION – DHL SMARTSENSOR, http://www.dhl.com/en/about_us/logistics_insights/dhl_trend_research/smartsensor.html (06.07.2017)

3. DHL: DHL SmartSensor – A cool million, http://www.dpdhl.com/de/presse/mediathek/grafiken/dhl_smartsensor_die_coole_million.html (06.07.2017)